Den Traum vom Eigenheim möchten sich heutzutage immer mehr Menschen so früh wie möglich erfüllen. Oft genug bleibt da kaum Zeit, entsprechendes Eigenkapital zur Baufinanzierung aufzubauen, da das erste selbst verdiente Geld häufig in die Erstausstattung der Wohnung, den eigenen PKW u.s.w. fließt.
Um eine Baufinanzierung auf ein solides Fundament zu stellen wird einem angeraten, mindestens 20%, besser noch 30-40% des Kaufpreises zzgl. der Erwerbsnebenkosten (je nach Fall ca. 5-15 % des Kaufpreises) aus eigenen Mitteln aufzubringen, also z. B.:
Kaufpreis: |
€ 200.000,-- |
Erwerbsnebenkosten (Grunderwerbsteuer, Notar, Makler u.s.w.) |
€ 20.000,-- |
Das "empfohlene" Eigenkapital zur Baufinanzierung beläuft sich folglich auf mindestens € 60.000,--, besser € 80.000,-- bis € 100.000,--
Und wenn soviel nicht Geld zur Finanzierung nicht vorhanden ist? - Oder im Extremfall: gar nichts???
Soll die Baufinanzierung ohne Eigenkapital dann zu den Akten gelegt werden?
Fakt ist, dass eine Baufinanzierung ohne Eigenkapital sowohl aus Sicht des Kreditnehmers als auch aus Sicht der Banken zu einer deutlichen Risikoerhöhung führt, was wiederum mit höheren Zinsen kompensiert wird. Die Frage, ob eine Baufinanzierung ohne Eigenkapital anzuraten ist muss
andererseits auch unter folgender Betrachtung erörtert werden:
Angenommen, Ihnen wird eine für Sie passende Immobilie
im Wert von 200.000 Euro,-- angeboten, und es entstünden
Ihnen in diesem Beispiel rd. 18.000,-- Euro an Erwerbsnebenkosten.
Leider sind aber nur 5.000,-- Euro Eigenmittel vorhanden,
und ein reicher Onkel o.ä. ist in weiter Ferne.
Würden Sie sich nunmehr das Ziel setzen, die Nebenkosten
und 20 % des Kaufpreises an Eigenkapital anzusparen, wären
dies folglich 58.000,-- Euro. Bei einer angenommenen Verzinsung von 4,0% für eine
risikofreie Sparanlage würden Sie in Abhängigkeit
der monatlichen Sparrate, die ja neben der laufenden Miete
aufzubringen ist, folgende Zeiträume benötigen,
um die 58.000,-- Euro zusammenzusparen:
| mtl. Sparrate.*) |
|
Dauer bis zum Ziel |
| 300,-- Euro |
|
ca. 11 Jahre + 2 Monate |
| 500,-- Euro |
|
ca. 7 Jahre + 4 Monate |
| 1.000,-- Euro |
|
ca. 4 Jahre |
| |
|
*) zzgl. der Anlage von 5.000,-- Euro |
In den vergangenen 40 Jahren sind die Immobilienpreise in
Deutschland durchschnittlich um 3 % pro Jahr gestiegen. Unter
der Annahme, dass in den kommenden Jahren wieder mit einer Preissteigerung in dieser Größenordnung gerechnet werden kann, würde der Preis für die Immobilie während
der Ansparzeit für das Eigenkapital folgendermaßen
steigen:
| Dauer bis zum Ziel |
|
prognostizierter Preis inkl. Nebenkosten |
|
Finanzierungsbedarf |
| 11 Jahre + 2 Monate |
|
303.000,-- Euro |
|
245.000,-- Euro |
| 7 Jahre + 4 Monate |
|
271.000,-- Euro |
|
213.000,-- Euro |
| 4 Jahre |
|
245.000,-- Euro |
|
187.000,-- Euro |
| heute |
|
218.000,-- Euro |
|
213.000,-- Euro |
Es kann also durchaus passieren, dass man der Preissteigerung
auf dem Immobilienmarkt "hinterherspart" und möglicherweise
am Ende der Sparanstrengungen sogar mehr finanzieren muß
als ursprünglich. Hinzu kommt, dass sich das Finanzierungsende
durch den späteren Beginn entsprechend nach hinten verschiebt,
es sei denn, man gleicht diesen Effekt durch eine höhere
Tilgung aus, was wiederum die Kreditrate erhöht.Im ungünstigsten Fall haben die Kreditzinsen das derzeitig
attraktive Niveau verlassen und führen zu einer weiteren
Verteuerung des Vorhabens.
Diese Betrachtungen zur "Baufinanzierung ohne Eigenkapital"
sollen jedoch keinesfalls als Plädoyer für eine
unverantwortliche Verschuldung missverstanden werden!
Vielmehr gilt es, das höhere Risiko einer Vollfinanzierung
gegen die persönliche Gesamtsituation bei der Finanzierung
des Eigenheims abzuwägen:
Dies sollten Sie kritisch prüfen:
- Wie sicher ist das derzeitige Einkommen in Zukunft?
- Wie hoch ist die Mehrbelastung im Verhältnis zur
aktuell gezahlten Miete?
- Wie stellt sich die Situation dar, wenn die Zinsbindung
abläuft und der Anschlusszins in einer Hochzinsphase
festgeschrieben werden muß, also z. B. zu 8,0% p.a.?
Die Banken beurteilen die Baufinanzierungsanfrage auf drei
Ebenen:
- Kann sich der Kunde die sich ergebene Rate leisten? Viele
Banken betrachten dabei nicht die zunächst zu zahlende
Rate, sondern ziehen die Rate heran, die sich bei einem
angenommenen Kreditzins von 8,0% ergäbe.
- Wie stellt sich das Verhältnis zwischen Beleihungswert
der Immobilie und der Gesamtverschuldung des Kunden inkl.
möglicherweise bereits vorhandener Kredite dar? Der
Beleihungswert liegt dabei meist 10 bis 20 Prozent unter
dem Verkehrswert bzw. Kaufpreis. Viele Banken machen hier
bei über 100% kein Angebot mehr, wir finden bei guten
sonstigen Kriterien Lösungen bis zu 130%.
- Passt die vorgesehene finanzielle Belastung zum
bisherigen "Lebenswandel" des Kunden? Gerade dieser
Punkt spielt bei den Banken in letzter Zeit eine immer größere
Rolle. Banken haben schlechte Erfahrungen mit Kreditnehmern
gemacht, die zwar auf Grund ihres Einkommens die Baufinanzierungsrate
hätten problemlos tragen können, jedoch auf Grund
eines hohen Lebensstandards nichts desto trotz in einen
finanziellen Engpass gerieten.
Zum letzten Punkt ein Beispiel:
Eine dreiköpfige Familie bewohnt derzeit eine Mietwohnung
für eine Kaltmiete von 600 Euro und möchte mit einer
Baufinanzierung ohne Eigenkapital ein Einfamilienhause für
einen Kaufpreis von 250.000,-- Euro finanzieren. Die berechnete
Monatsrate betrage in diesem Beispiel 1.300,-- Euro. Bei einem
angenommenen Monatseinkommen von 4.500,-- Euro ist nach einschlägiger
Bontitätsrechnung diese Rate problemlos tragbar. Die
Bank wird aber (zu Recht) fragen,
warum kein
Eigenkapital bei diesem soliden Monatseinkommen angespart
worden ist. Noch schwieriger wird es, wenn darüberhinaus
noch vor nicht all zu langer Zeit ein persönlicher Kredit
(z.B. für einen PKW) aufgenommen wurde. Es entsteht der
Eindruck, dass die normalen Lebenshaltungskosten selbst
aus diesem soliden Monatseinkommen nicht getragen werden konnten.
Wie soll das dann funktionieren, wenn zukünftig die Monatsbelastung
um 700,-- Euro gegenüber der bislang gezahlten Miete
steigt?
Andererseits kann es sein, dass kein Eigenkapital vorhanden
ist, weil in der Vergangenheit weniger verdient wurde (z.B.
Beendigung Ausbildung, Karrieresprung, Wiederaufnahme einer
beruflichen Tätigkeit nach Babypause u.s.w.) oder weil
bestimmte Belastungen zu tragen waren, die jetzt weggefallen
sind, also z. B. Kreditrückzahlungen, Unterhaltsverpflichtungen
o.ä. In diesem Fall ergibt sich ein schlüssigeres
Bild und damit eine bessere Vorraussetzung für Ihre Baufinanzierung
ohne Eigenkapital.
Untitled Document